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Zwei Taigan-Welpen sorgen für diplomatischen Wirbel in Norwegen 

Zwei Taigan-Welpen standen im Herbst 2003 unfreiwillig im Mittelpunkt einer diplomatischen Krise zwischen Norwegen und Kirgistan. Als nämlich der damalige kirgisische Staatspräsident Askar Akajew am 27. November 2003 zu einem Staatsbesuch Norwegens in Trondheim eintraf, befand sich in seinem Flugzeug nicht nur eine 65-köpfige Delegation mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik des zentralasiatischen Landes, sondern auch zwei dreizehn Wochen alte Taigan-Welpen, ein Rüde und eine Hündin. Diese waren als Staatsgeschenke für Norwegens König Harald V. und für Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik vorgesehen.

Nun ist ein Taigan bei den Kirgisen seit alters her ein wahrhaft „königliches“ Geschenk, doch die Norweger hatten ihrem Gast schon vor Wochen signalisiert, dass weder König Harald noch Ministerpräsident Bondevik eine Verwendung für eine solche Gabe hätten. Nach Aussagen der kirgisischen Delegation hat die entsprechende Mitteilung die Kanzlei von Präsident Akajew aber nie erreicht – in norwegischen Regierungskreisen vermutet man, dass sie entweder in der für Norwegen zuständigen Kirgisischen Botschaft in Berlin oder aber im Außenministerium in Bishkek liegengeblieben ist.


Brachte Taigane als Staatsgeschenk nach Norwegen: 
Askar Akajew, kirgisischer Präsident 1990-2005

Nun waren die Gastgeber in einem doppelten Dilemma: Nicht nur, dass weder König noch Ministerpräsident die lebenden Gastgeschenke der Kirgisen haben wollten – von Amts wegen waren die norwegischen Behörden zudem noch verpflichtet, die beiden Welpen zu beschlagnahmen, da keinerlei Einfuhrpapiere für sie vorlagen und somit eine viermonatige Quarantäne vorgeschrieben war. Auf der anderen Seite wäre es aber einem schweren Fauxpas gleichgekommen, den Staatspräsidenten aufzufordern, die Hunde wieder mit zurück nach Kirgistan zu nehmen. 

Aus der Klemme half der konservativen norwegischen Regierung schließlich Trondheims Bürgermeisterin Rita Ottervik von der oppositionellen Arbeiterpartei, die sich in einem Akt parteiübergreifender Solidarität dazu bereit erklärte, die Verantwortung für die zwei Hunde zu übernehmen und somit einen diplomatischen Eklat zu verhindern. Die beiden Welpen wurden nach Eidsvoll bei Oslo gebracht, wo sie in einer neuen Quarantänestation betreut wurden, bis sie ihre neue Heimat ganz legal betreten durften.  

Mehrere Tage lang beherrschten die heimatlosen Taigan-Welpen die Schlagzeilen der Presse zwischen Kristiansand und Nordkap.


„Der König und Bondevik wollen sie nicht haben“. 
Schlagzeile der norwegischen Zeitung „Dagbladet“ 
vom 28.11.03
 

Nach Ablauf einer zehntägigen Innenquarantäne durften sich die Welpen, die mittlerweile aufgrund ihrer ursprünglich "königlichen" Bestimmung vom Personal der Quarantänestation auf die Namen "Cæsar" und "Kleopatra" getauft wurden, auf dem Außengelände der Quarantänestation austoben, und ein von der Stadt Trondheim gebildeter Ausschuss wurde mit der Aufgabe betraut, unter den zahlreichen Bewerbern die künftigen Besitzer aussuchen.

Auch in Kirgistan blieb die Aufmerksamkeit, die den beiden Taigan-Welpen in Norwegen zuteil wurde, nicht unbemerkt. Am 12. Dezember 2003 veröffentlichte die Trondheimer Zeitung "Adresseavisen" Auszüge aus einem Brief von Staatspräsident Akajew, in dem dieser dem norwegischen Volk für seine Sorge um die beiden Welpen dankte. Akajew betonte die wichtige Rolle des Taigan in der kirgisischen Kultur und und bezeichnete die beiden Welpen als Symbol für die starken Freundschaftsbande zwischen dem norwegischen und dem kirgisischen Volk. 

Am Freitag, dem 19.12.03 wurden im Trondheimer Rathaus den neuen Besitzern der Taigan-Welpen die mit dem Stempel der Stadt Trondheim versehenen Ahnentafeln als Besitzurkunde übergeben. Der Rüde wird bei Ingvild Espelien leben, einer Dozentin des Instituts für Kleintierkunde an der Hochschule von Øya, wo seine Entwicklung auch wissenschaftlich begleitet werden wird. Die Hündin geht in den Besitz von Eva Vernstad, einer langjährigen Windhundbesitzerin aus der Nähe von Trondheim. Mit Ablauf der Quarantänezeit am 01.04.04 wurden die beiden Junghunde ihren neuen Besitzerinnen übergeben. 

© Jan Scotland

Website von Ingvild Espelien, Besitzerin von "Cæsar" -
Bilder unter "Tajgan":
www.home.no/vinterskogen/