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Expedition ins Gebiet Naryn (I) |
Die Bewahrung und Wiederherstellung der endemischen Rasse des Kirgisischen Windhundes, bekannt als der Taigan, ist von hoher historischer und ethnographischer Bedeutung. Diese Jagdhunderasse, deren Blutlinie zur Gruppe der orientalischen Windhunde gehört, hat ihre Ursprünge in alten Zeiten und diente bereits den frühen nomadischen Bergbewohnern. Die Existenz unserer Vorfahren basierte auf der Viehzucht sowie der Jagd. Die Jagd diente als zusätzliche Nahrungsquelle. Und die Felle der erjagten Tiere konnten die Nomaden gegen Dinge eintauschen, die sie nicht selber produzierten: Getreide, Stoffe, Gewürze. Das Fehlen starker und effizienter Jagdwaffen machte den Hund unentbehrlich für diesen Zweck. Der Dienst des Taigan bestand nicht nur in der Jagd auf Beutetiere, sondern auch in der Abwehr des Wolfes, einer direkten Bedrohung für die Viehherden. So diente der Taigan seinem Besitzer in allen wichtigen Aspekten des Überlebens. Die
Wichtigkeit des Hundes für die nomadischen Völker verlangte eine strenge
Zuchtauswahl, um die essentiellen Qualitäten für das Überleben unter
harten Existenzbedingungen zu befördern. Die Bergnomaden brauchten harte,
anspruchslose, extrem wendige Hunde, die dem Wolf an Zähigkeit überlegen
waren. Daher, durch die Selektion des Windhundes, wurde die einmalige
Abstammung des Taigan entwickelt, dessen Qualitäten Schnelligkeit,
Ausdauer, Wendigkeit, Treue, Siegeswillen und Anpassungsfähigkeit an die
Bedingungen des Hochgebirges sind. Mit
dem Aufkommen des Ackerbaus und der Feuerwaffen begann die Population des
Taigan zurückzugehen. Dies ist eine Auswirkung der Transformation des
Nomadentums zu einer eher sesshaften Existenz, die teilweise mit einem
Aussetzen der Taigane durch ihre Besitzer und lokalen Kampagnen zur
Ausrottung streunender Hunde einherging. Obwohl
die Viehhaltung in Kirgistan immer noch in entlegenen, bergigen Regionen
stattfindet, setzt die moderne, halbnomadische Lebensweise den Taigan
einem Konflikt aus, da die Viehzüchter mit ihren Herden während der
Wintermonate in die Täler ziehen. Im Tiefland wird der Taigan weniger
gebraucht, und er ist unfähig, sich dem modernen Leben anzupassen. In
Zwinger eingesperrt oder angekettet, leidet dieser vorher freie Hund unter
Angst und Stress. Während er in den Sommermonaten völlig frei war und
große Distanzen in den Bergen zurücklegen konnte, ist es ihm in den
Siedlungen bestenfalls möglich, kurze Spaziergänge an der Leine zu
machen. Während der Taigan in den Bergen ein wichtiger Partner des
Menschen ist, wird er in der Stadt zur Belastung und braucht viel
Aufmerksamkeit. Alle
Windhunde sind in der Lage, in kurzer Zeit große Mengen Adrenalin
auszuschütten. Dies erklärt ihre explosive Natur, besonders diejenige
des Taigan. Es ist nötig, dass ein regelmäßiger Adrenalinausstoß
erfolgt, um einen überhöhten Level zu vermeiden. Fehlt die Aktivität,
sind eine erhöhte Nervosität und manchmal Depressionen die Folge. Ständige
und lange Aktivität sind daher eine Voraussetzung für die Haltung des
Taigan in der Stadt, während die Freiheit seine Fürsorgerin während des
Lebens mit dem Nomaden in den Bergen ist. Aus
diesem Grunde ist es wichtig, sich auf das züchterische Wissen der
Nomaden zu besinnen. Nomadische Züchterkunst hat einmalige Haustierrassen
hervorgebracht, so beispielsweise das Araberpferd, den Akhal Tekiner, fast
alle Windhundrassen etc. Generell
betrachtet, hatten Nomaden immer zwei unterschiedliche Hundeformen für
zwei unterschiedliche Zwecke: 1) für die Jagd, 2) zum Bewachen ihres
Eigentums und zum Schutz ihrer Herden. Der erste Hund half bei der
Beschaffung essentieller Dinge - Fleisch, Pelz etc. – und er tötete gefährliche
Tiere – Wölfe, Raubkatzen, Schakale. Der zweite Hund bewachte die
Herden und half, verlorene Nutztiere wiederzufinden. Der erste Hund war
der Windhund und der zweite der Hirtenhund. Praktisch jedes Nomadenvolk
der Alten Welt hat diese Hunde; bei den Kirgisen sind dies der Kirgisische
Windhund Taigan und der Kirgisische Hirtenhund. Der
Taigan ist ein nationaler Schatz, der uns von unseren großen Vorfahren
vererbt wurde. Der Taigan wird in vielen Legenden und volkstümlichen
Geschichten gefeiert. Im über tausendjährigen Epos “Manas” wird der
Taigan bereits als Rasse erwähnt. Auch alte chinesische, arabische und
westliche Quellen deuten auf die Existenz des Taigan hin. Über die lange
Geschichte und historische Bedeutung der Rasse können keine Zweifel
bestehen. Die
Migration der Kirgisen war ein langer und ausgedehnter Prozess, der sich
über weite Teile Zentralasiens und Sibiriens erstreckte. Daher hatte sich
die Zucht von Hunden den ständig sich verändernden Umweltbedingungen
anzupassen. Der Taigan nahm in sich viele gute Qualitäten der Windhunde
auf. Man findet in ihm viele einmalige wie universelle Charakterzüge der
Windhundgruppe. Aber der Taigan hat auch Qualitäten, die man bei anderen
Windhunden nicht findet. Dies Qualitäten sind seine Anpassung an das
Leben im Hochgebirge, seine Lernfähigkeit und sein intelligentes
Sozialverhalten im Zusammenleben mit dem Menschen. Da die nomadische
Viehzucht weitläufige Weidegründe mit dünner Besiedelung erfordert,
begannen die Menschen damit, intelligente Hunde für den Zweck der
sozialen Gemeinschaft auszusuchen. Der Taigan ist ein sehr kluger Hund,
der ein hohes Einfühlungsvermögen gegenüber dem Menschen besitzt. Die
Kirgisen lieben und wertschätzen den Taigan. Mein ganzes Leben lang habe
ich von Jägern und Viehzüchtern niemals irgendeine Kritik gegenüber dem
Taigan gehört. Jeder kirgisische Mann wird die Vorzüge des Taigan
verteidigen. Wer einem Kirgisen sagt, dass der Taigan ein nutzloser Hund
ist, wird sicherlich niemals sein Freund werden. Während
Hunger- und Katastrophenzeiten war der Taigan ein verlässlicher Helfer
und Versorger. Der Taigan verdoppelt die Effektivität der Jagd. Wenn der
Taigan sich in seiner natürlichen Umwelt befindet, benötigt er wenig
Aufmerksamkeit des Menschen. Er ist fähig, sich selber sein Futter zu
erjagen; er fängt sogar wildlebende Vögel. Der Taigan ist sogar so
scharfsinnig, dass er erkennen kann, welches Wild sein Besitzer haben möchte
und was dieser zum Essen benötigt. Diese Fähigkeit entwickelte sich während
des langen Zusammenlebens über viele Zeitalter hinweg. In
jüngster Zeit war der Taigan Objekt zahlreicher dubioser Zuchtaktivitäten,
die der Rasse Schaden zufügten. Es existieren zahlreiche Clubs,
Hinterhofzuchten und Hersteller fragwürdiger Ahnentafeln, alle auf
kommerzieller Basis. Wir sind nicht gegen Kommerz, aber er darf die Rasse
nicht beschädigen oder zu ihrer Vermischung führen. Die Hauptgefahr für
den Taigan besteht im Export der Rasse, hauptsächlich durch illegale Kanäle,
sowie im Auftauchen von Hunden im Ausland, die keine reinrassigen Taigane
mehr sind. Noch schlimmer ist das Auftreten von Dilettanten, die diese
Mischlinge als echte Taigane bezeichnen. Manche Leute erklären den
Rückgang der Rasse damit, dass es keine systematische Zucht und keine
entsprechende Dokumentation gäbe. Dies entspricht nicht der Wahrheit: In
Kirgistan gibt es gegenwärtig einen offiziellen organisatorischen Rahmen.
Den Republikanischen Kynologischen Rat, Sektion Rassehundezucht, sowie
regionale Untersektionen zur Zucht reinrassiger Jagdhunde. Dieser
organisatorische Rahmen stellt die Zucht von Rassehunden unter strenge
Kontrolle. Dies ist die Antwort unserer Republik zur Verteidigung der
Rasse, und zur Bewahrung ihres Rassestandards. Seit
1994 gibt es ein Dekret, das den Export des Taigan kontrolliert. Die
Rasse ist einzigartig und endemisch. Wir sind nicht gegen die Verbreitung von reinrassigen
Hunden. Da es aber nur ein paar wenige Experten auf diesem Gebiet gibt,
ist es notwendig, den illegalen Export zu unterbinden. Um einen Taigan zu
exportieren, muss man nun eine staatliche Genehmigung beantragen, die nur
unter Berücksichtigung der aktuellen Notwendigkeiten für die
Rasseentwicklung im Lande erteilt wird. Am 18. Juni
1998 verabschiedete Kirgistan das “Gesetz der Kirgisischen Republik
betreffend die Einführung von Maßnahmen zur Durchsetzung administrativer
Bußen”. In Teil II dieses Gesetzes, Kapitel 15, Artikel 156 wird eine
Buße für die “Verletzung von Regeln betreffend die Zucht, Pflege und
Erwerb des Kirgisischen Taigan....” festgelegt, die von einem Betrag von
einem bis zu fünf Mindestlöhnen reichen kann. Die Rasse Taigan ist von großer Bedeutung in der Geschichte und Kultur von Kirgistan. Wir sind nicht gegen Kooperation, doch wir müssen unseren nationalen Schatz gegen Dilettantismus und die Bedrohung durch Schmuggler verteidigen. Wenn jemand Mischlinge als reinrassig deklariert, verletzt er das Recht. Dieser Artikel soll einen ersten Eindruck vom Taigan vermitteln. Spätere Artikel werden den Leser mit weiteren Details vertraut machen. Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002 Aus dem Englischen von Jan Scotland |
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