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Texte Expedition ins Gebiet Naryn (I) |
Die
speziellen Qualitäten des Taigan ermöglichen der Rasse, erfolgreich in
den Hochgebirgsregionen unserer Republik zu überleben. Um die Natur
dieser Eigenschaften kennenzulernen, ist es notwendig, die klimatischen
Bedingungen und die Umweltbedingungen von Kirgistan zu verstehen und sich
mit ihren Auswirkungen auf lebende Organismen zu befassen. Es waren die
trockenen Bergregionen Kirgistans, in denen die Rasse des Taigan geformt
wurde. Diese Umweltbedingungen sind nicht nur hart für Hunde, sondern sie
stellen hohe Anforderungen an alle Lebensformen einschließlich des
Menschen. Hunde waren gezwungen, sich daran anzupassen und sich dieser
Natur gemäß zu entwickeln. Die bedeutendste Leistung bestand darin, dass
sich die Physiologie des Hundes an die sich ändernden Luftdruckverhältnisse
anpassen musste. Der Taigan kann in Höhen von über 2700 m.ü.M. leben
und arbeiten, was ihm eine immense Überlegenheit gegenüber anderen
Rassen verleiht. Auf der anderen Seite teilt der Taigan viele
Eigenschaften der anderen Mitglieder der orientalischen Windhundgruppe.
Dies beinhaltet eine ähnliche Größe, ein schlankes Gebäude, starke
Kiefer, eine explosive Energieentfaltung sowie große Zähigkeit bei der
Jagd auf Wild und in der Abwehr von Raubtieren. Aber
die Rasse des Taigan hat auch deutliche Besonderheiten. Unter
Experten gibt es immer noch manche Diskussionen, ob der Taigan wirklich
eine separate Rasse darstellt. Wir in Kirgistan sind überzeugt davon,
dass der Taigan alle Merkmale einer eigenständigen Rasse aufweist und
eine eigene Identität hat, unabhängig vom Afghanischen Windhund und vom
Mittelasiatischen Tazi, mit denen er mitunter in Verbindung gebracht wird.
Wir wissen auch, dass der Afghanische Windhund heute in zwei Gruppen
gespalten ist: Der eigentliche Afghanische Windhund des Ursprungslandes,
ein starker, effektiver Arbeitshund, und der sogenannte Afghanische
Windhund westlicher Prägung, ein reiner Ausstellungshund, bar jeder
Arbeitsqualität. Um eine derart fatale Entwicklung für den Taigan zu
verhindern, ist es notwendig, die Charakteristika des Kirgisischen
Windhundes zu definieren: Der
Kopf: Breit, keilförmig,
mit flachen Wangen. Der Fang ist lang und breit, mit betonten
Augenbrauenbogen, Stirnfurche, flachem Schädel, das Hinterhauptbein ist
leicht betont. Die Breite des Fanges erlaubt eine gute Fixierung der sehr
starken Zähne im Kiefer. Die Augenbrauenbogen schützen die Augenhöhle
vor Verletzungen. Die Stirnfurche verläuft von dort zum Fang. Der Taigan
weist keine Verengung der Augenöffnung („Saigatchina“, d.h. wie bei
der Saiga-Antilope) auf, welche das Sichtfeld bei der Jagd in unebenem Gelände
verengen würde. Das Hinterhauptbein ist gut ausgeprägt und bedingt eine
gute Entwicklung des Hinterhauptstachels, d.h. des Punktes, an dem die
Kaumuskeln zusammenlaufen. Dies erklärt die Kraft der Kiefermuskulatur.
Die Breite des Kopfes ist auch abhängig von der Breite des Schläfen-Jochbeinbogens.
Die Kaumuskeln des Unterkiefers verlaufen entlang der Innenseite des Schläfen-Jochbeinbogens;
sie sind etwas verbreitert, jedoch nicht so stark wie beim einheimischen
Hirtenhund. Dank der Tatsache, dass die Muskeln beim Windhund ohne Umweg
funktionieren, ist die Schließgeschwindigkeit des Kiefers bei ihm
deutlich schneller. Die
Ohren: Hängend, lang
und fein. Abgerundet, tief angesetzt, mit langer „Bourka“. Die feinen
Ohren wirken wie eine leichte Heizung. Das Hängeohr dient als Schutz des
Ohrläppchens vor Verletzungen. Bedingt durch die Form des Schädels sind
die Ohren tief angesetzt, der dichte Fellbelag („Bourka“) schützt die
Ohren beim Laufen vor Verletzungen durch die Hinterpfoten. Der
Hals: Lang, hoch
angesetzt, oval. Dies ermöglicht einen weiten Aktionsradius bei schnellen
Angriffen. Der
Rücken: Betonter
Widerrist, langer, starker und gewölbter Rücken mit einer betonten
Vertiefung in der Übergangszone. Der gut ausgebildete Widerrist zeigt ein
langes, breites Schulterblatt mit großer Oberfläche für die Muskeln.
Gerader Oberarm. Die Übergangszone aus den drei letzten Dorsalwirbeln
(ohne Wirbelfortsatz) zwischen den Dorsal und dem Lumbalbereich der
Wirbelsäule wirkt als Stufe, die dem Hund eine große Mobilität erlaubt.
Je länger der Lumbalbereich der Wirbelsäule ist, desto besser sind die
Muskeln entwickelt, und die gewölbte Linie gibt Elastizität. Die
Kruppe: Breite,
abfallende Kruppe, die Hüfthöcker sind gut voneinander entfernt. Die
abfallende Kruppe sorgt für Ausdauer in der Bewegung, und die Distanz
zwischen den Hintergliedmaßen verhindert, dass die Vorder- und Hinterläufe
im Galopp aneinander stoßen. Die
Rute: Lang, sichelförmig,
fein, leicht befedert, am Ende geringelt. Es ist ein spezielles
Kennzeichen des reinrassigen Taigans, dass die letzten Rutenwirbel
miteinander verwachsen sind. Vorder-
und Hinterhand:
Schulterblatt, Unter- und Oberarm, Ober- und Unterschenkel sowie
Sprunggelenk gerade und lang. Die Winkelungen der Hintergliedmaßen sind
gut betont. Ellenbogengelenk trocken, Unterarm vertikal, trockenes Knie.
Ovale, gut geschlossene Pfoten mit starken, nach unten gerichteten
Krallen. Diese Merkmale sind allen Windhunden eigen. Das
Haarkleid: Das Haar
ist lang am Hinterkopf, am Hals, an den Vordergliedmaßen, auf den
Hintergliedmaßen bis zum Sprunggelenk (in der Naryn Oblast findet man
Hunde, bei denen das Haar auf den Hintergliedmaßen bis zum Boden lang
ist). Langes Haar zwischen den Zehen. Kurzes Haar auf dem Rest des Körpers.
Die Verteilung und Entwicklung des Haarkleides hängt wesentlich von den
klimatischen Bedingungen und dem Zustand des Hundes ab, weniger von der
Jahreszeit. Das Wesen: Ruhig, aber leicht erregbar bei Sicht auf die Beute oder gegnerische Raubtiere. Dieser Kontrast spiegelt die Arbeit des Taigan und seine Lebensbedingungen. Der Hund wirkt mitunter regelrecht faul, da er sich in Anbetracht der rigorosen Anforderungen seines Lebensraumes bei jeder Gelegenheit ausruhen muss, um seine Kräfte zu sammeln. Aber wenn er arbeitet, dann übersteht er die härtesten Anforderungen dank seiner ungeheuren Stärke und seiner explosiven Energie. Der Taigan wird zur kooperativen Jagd gemeinsam mit Greifvögeln, vor allem mit Steinadlern, gebraucht. Dies verlangt, dass der Taigan und der Adler gemeinsam aufgezogen werden. Bei dieser Jagdmethode arbeitet der Taigan als Spürhund. Unterscheidungsmerkmale: Die
Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Kirgisischen Taigan und dem
Afghanischen Windhund sind mannigfaltig: Im Skelett, in der Muskulatur, in
der Dicke und Länge des Haarkleides, sowie in der Topographie seiner
Umwelt. Wie
der Taigan, so lebt auch der Afghanische Windhund in Bergregionen. Die
Berge Afghanistans erheben sich zu ähnlichen Höhen wie die des Tien Shan.
Doch
die Weidegründe in Afghanistan liegen niedriger als 2700 m., während die
Hochweiden Kirgistans in größeren Höhen liegen. Die Berge Afghanistans
sind auch zumeist weniger steil und weniger felsig. Durch die Anpassung an
die Anforderungen seiner Umwelt entwickelte der Taigan bemerkenswerte
Qualitäten wie Stärke, Schnelligkeit und Widerstandsfähigkeit, die
seine physiologischen Eigenarten reflektieren und ihn vom Afghanischen
Windhund abheben. Die
Stärke des Taigan resultiert aus seinem Muskelaufbau und seiner
Skelettstruktur, die eine beeindruckende Wendigkeit und Ausdauer
hervorbringen. Der Hund hat starke Knochen, eine lange und prononcierte
Lendenpartie, eine enorm tiefe Brust und einen hohen Anteil roter Blutkörperchen
in seinem Blut. Seine Geschwindigkeit leitet sich aus seinen geraden
Schultern und seinen langen Extremitäten her. Im
Vergleich zum Tazi, der ebenfalls oft irrtümlicherweise mit dem Taigan
gleichgesetzt wird, hat der Taigan ebenfalls einige sehr offensichtliche
Eigenheiten: Sowohl im Skelett als auch in der Muskulatur. Diese
Unterschiede erklären sich aus den verschiedenen Lebensräumen der beiden
Rassen. Der Tazi jagt in Ebenen und Steppen, und folglich ist seine
Physiologie diesen Bedingungen angepasst. Andere Unterscheidungsmerkmale
sind das Format und die Ohren: Der Taigan ist länger, der Tazi eher
quadratisch, und die Ohren des Taigan liegen am Kopf an, während die
Ohren des Tazi mehr vom Kopf abstehen. Wie bereits erwähnt, sind die
letzten Wirbel in der Rute des Taigan zusammengewachsen. Alle
diese Eigentümlichkeiten der Rasse Taigan lassen sich in den folgenden
Hauptpunkten zusammenfassen: Hohe physiologische Anpassungsfähigkeit an
große Höhen, seine Fähigkeit zu spezialisierter Arbeit wie z.B. Fährtenarbeit
und Zusammenarbeit mit Greifvögeln, und seine unvergleichlicher Stärke
und sein großer Mut. Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002 Aus dem Englischen von Jan Scotland |
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