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Der Taigan - Eigenarten der Rasse

Von Almaz Berdigulovich Kurmankulov, 

führender Experte für die Windhundrassen in Kirgistan, Kynologe beim Jagd- und Fischereiverband der Kirgisischen Republik, verantwortlicher Sekretär des Republikanischen Kynologischen Rates der Kirgisischen Republik, Biologe. 

Die speziellen Qualitäten des Taigan ermöglichen der Rasse, erfolgreich in den Hochgebirgsregionen unserer Republik zu überleben. Um die Natur dieser Eigenschaften kennenzulernen, ist es notwendig, die klimatischen Bedingungen und die Umweltbedingungen von Kirgistan zu verstehen und sich mit ihren Auswirkungen auf lebende Organismen zu befassen. Es waren die trockenen Bergregionen Kirgistans, in denen die Rasse des Taigan geformt wurde. Diese Umweltbedingungen sind nicht nur hart für Hunde, sondern sie stellen hohe Anforderungen an alle Lebensformen einschließlich des Menschen. Hunde waren gezwungen, sich daran anzupassen und sich dieser Natur gemäß zu entwickeln. Die bedeutendste Leistung bestand darin, dass sich die Physiologie des Hundes an die sich ändernden Luftdruckverhältnisse anpassen musste. Der Taigan kann in Höhen von über 2700 m.ü.M. leben und arbeiten, was ihm eine immense Überlegenheit gegenüber anderen Rassen verleiht. Auf der anderen Seite teilt der Taigan viele Eigenschaften der anderen Mitglieder der orientalischen Windhundgruppe. Dies beinhaltet eine ähnliche Größe, ein schlankes Gebäude, starke Kiefer, eine explosive Energieentfaltung sowie große Zähigkeit bei der Jagd auf Wild und in der Abwehr von Raubtieren.  

Aber die Rasse des Taigan hat auch deutliche Besonderheiten.  

Unter Experten gibt es immer noch manche Diskussionen, ob der Taigan wirklich eine separate Rasse darstellt. Wir in Kirgistan sind überzeugt davon, dass der Taigan alle Merkmale einer eigenständigen Rasse aufweist und eine eigene Identität hat, unabhängig vom Afghanischen Windhund und vom Mittelasiatischen Tazi, mit denen er mitunter in Verbindung gebracht wird. Wir wissen auch, dass der Afghanische Windhund heute in zwei Gruppen gespalten ist: Der eigentliche Afghanische Windhund des Ursprungslandes, ein starker, effektiver Arbeitshund, und der sogenannte Afghanische Windhund westlicher Prägung, ein reiner Ausstellungshund, bar jeder Arbeitsqualität. Um eine derart fatale Entwicklung für den Taigan zu verhindern, ist es notwendig, die Charakteristika des Kirgisischen Windhundes zu definieren:  

Der Kopf: Breit, keilförmig, mit flachen Wangen. Der Fang ist lang und breit, mit betonten Augenbrauenbogen, Stirnfurche, flachem Schädel, das Hinterhauptbein ist leicht betont. Die Breite des Fanges erlaubt eine gute Fixierung der sehr starken Zähne im Kiefer. Die Augenbrauenbogen schützen die Augenhöhle vor Verletzungen. Die Stirnfurche verläuft von dort zum Fang. Der Taigan weist keine Verengung der Augenöffnung („Saigatchina“, d.h. wie bei der Saiga-Antilope) auf, welche das Sichtfeld bei der Jagd in unebenem Gelände verengen würde. Das Hinterhauptbein ist gut ausgeprägt und bedingt eine gute Entwicklung des Hinterhauptstachels, d.h. des Punktes, an dem die Kaumuskeln zusammenlaufen. Dies erklärt die Kraft der Kiefermuskulatur. Die Breite des Kopfes ist auch abhängig von der Breite des Schläfen-Jochbeinbogens. Die Kaumuskeln des Unterkiefers verlaufen entlang der Innenseite des Schläfen-Jochbeinbogens; sie sind etwas verbreitert, jedoch nicht so stark wie beim einheimischen Hirtenhund. Dank der Tatsache, dass die Muskeln beim Windhund ohne Umweg funktionieren, ist die Schließgeschwindigkeit des Kiefers bei ihm deutlich schneller.  

Die Ohren: Hängend, lang und fein. Abgerundet, tief angesetzt, mit langer „Bourka“. Die feinen Ohren wirken wie eine leichte Heizung. Das Hängeohr dient als Schutz des Ohrläppchens vor Verletzungen. Bedingt durch die Form des Schädels sind die Ohren tief angesetzt, der dichte Fellbelag („Bourka“) schützt die Ohren beim Laufen vor Verletzungen durch die Hinterpfoten.  

Der Hals: Lang, hoch angesetzt, oval. Dies ermöglicht einen weiten Aktionsradius bei schnellen Angriffen.

Der Rücken: Betonter Widerrist, langer, starker und gewölbter Rücken mit einer betonten Vertiefung in der Übergangszone. Der gut ausgebildete Widerrist zeigt ein langes, breites Schulterblatt mit großer Oberfläche für die Muskeln. Gerader Oberarm. Die Übergangszone aus den drei letzten Dorsalwirbeln (ohne Wirbelfortsatz) zwischen den Dorsal und dem Lumbalbereich der Wirbelsäule wirkt als Stufe, die dem Hund eine große Mobilität erlaubt. Je länger der Lumbalbereich der Wirbelsäule ist, desto besser sind die Muskeln entwickelt, und die gewölbte Linie gibt Elastizität. 

Die Kruppe: Breite, abfallende Kruppe, die Hüfthöcker sind gut voneinander entfernt. Die abfallende Kruppe sorgt für Ausdauer in der Bewegung, und die Distanz zwischen den Hintergliedmaßen verhindert, dass die Vorder- und Hinterläufe im Galopp aneinander stoßen.

Die Rute: Lang, sichelförmig, fein, leicht befedert, am Ende geringelt. Es ist ein spezielles Kennzeichen des reinrassigen Taigans, dass die letzten Rutenwirbel miteinander verwachsen sind.

Vorder- und Hinterhand: Schulterblatt, Unter- und Oberarm, Ober- und Unterschenkel sowie Sprunggelenk gerade und lang. Die Winkelungen der Hintergliedmaßen sind gut betont. Ellenbogengelenk trocken, Unterarm vertikal, trockenes Knie. Ovale, gut geschlossene Pfoten mit starken, nach unten gerichteten Krallen. Diese Merkmale sind allen Windhunden eigen.  

Das Haarkleid: Das Haar ist lang am Hinterkopf, am Hals, an den Vordergliedmaßen, auf den Hintergliedmaßen bis zum Sprunggelenk (in der Naryn Oblast findet man Hunde, bei denen das Haar auf den Hintergliedmaßen bis zum Boden lang ist). Langes Haar zwischen den Zehen. Kurzes Haar auf dem Rest des Körpers. Die Verteilung und Entwicklung des Haarkleides hängt wesentlich von den klimatischen Bedingungen und dem Zustand des Hundes ab, weniger von der Jahreszeit.

Das Wesen: Ruhig, aber leicht erregbar bei Sicht auf die Beute oder gegnerische Raubtiere. Dieser Kontrast spiegelt die Arbeit des Taigan und seine Lebensbedingungen. Der Hund wirkt mitunter regelrecht faul, da er sich in Anbetracht der rigorosen Anforderungen seines Lebensraumes bei jeder Gelegenheit ausruhen muss, um seine Kräfte zu sammeln. Aber wenn er arbeitet, dann übersteht er die härtesten Anforderungen dank seiner ungeheuren Stärke und seiner explosiven Energie.

Der Taigan wird zur kooperativen Jagd gemeinsam mit Greifvögeln, vor allem mit Steinadlern, gebraucht. Dies verlangt, dass der Taigan und der Adler gemeinsam aufgezogen werden. Bei dieser Jagdmethode arbeitet der Taigan als Spürhund.  

Unterscheidungsmerkmale:

Die Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Kirgisischen Taigan und dem Afghanischen Windhund sind mannigfaltig: Im Skelett, in der Muskulatur, in der Dicke und Länge des Haarkleides, sowie in der Topographie seiner Umwelt.  

Wie der Taigan, so lebt auch der Afghanische Windhund in Bergregionen. Die Berge Afghanistans erheben sich zu ähnlichen Höhen wie die des Tien Shan.  

Doch die Weidegründe in Afghanistan liegen niedriger als 2700 m., während die Hochweiden Kirgistans in größeren Höhen liegen. Die Berge Afghanistans sind auch zumeist weniger steil und weniger felsig. Durch die Anpassung an die Anforderungen seiner Umwelt entwickelte der Taigan bemerkenswerte Qualitäten wie Stärke, Schnelligkeit und Widerstandsfähigkeit, die seine physiologischen Eigenarten reflektieren und ihn vom Afghanischen Windhund abheben.  

Die Stärke des Taigan resultiert aus seinem Muskelaufbau und seiner Skelettstruktur, die eine beeindruckende Wendigkeit und Ausdauer hervorbringen. Der Hund hat starke Knochen, eine lange und prononcierte Lendenpartie, eine enorm tiefe Brust und einen hohen Anteil roter Blutkörperchen in seinem Blut. Seine Geschwindigkeit leitet sich aus seinen geraden Schultern und seinen langen Extremitäten her. 

Im Vergleich zum Tazi, der ebenfalls oft irrtümlicherweise mit dem Taigan gleichgesetzt wird, hat der Taigan ebenfalls einige sehr offensichtliche Eigenheiten: Sowohl im Skelett als auch in der Muskulatur. Diese Unterschiede erklären sich aus den verschiedenen Lebensräumen der beiden Rassen. Der Tazi jagt in Ebenen und Steppen, und folglich ist seine Physiologie diesen Bedingungen angepasst. Andere Unterscheidungsmerkmale sind das Format und die Ohren: Der Taigan ist länger, der Tazi eher quadratisch, und die Ohren des Taigan liegen am Kopf an, während die Ohren des Tazi mehr vom Kopf abstehen. Wie bereits erwähnt, sind die letzten Wirbel in der Rute des Taigan zusammengewachsen.  

Alle diese Eigentümlichkeiten der Rasse Taigan lassen sich in den folgenden Hauptpunkten zusammenfassen: Hohe physiologische Anpassungsfähigkeit an große Höhen, seine Fähigkeit zu spezialisierter Arbeit wie z.B. Fährtenarbeit und Zusammenarbeit mit Greifvögeln, und seine unvergleichlicher Stärke und sein großer Mut. 

Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002

Aus dem Englischen von Jan Scotland